Die Communauté de Taizé ist eine ökumenische Brüdergemeinschaft, die es sich zum Ziel gesetzt hat, bei jungen Erwachsenen ein Engagement für Frieden, Versöhnung und Vertrauen in der Kirche und im eigenen Alltag zu wecken. In diesem Sinne empfängt die Gemeinschaft wöchentlich hauptsächlich junge Erwachsene im Alter von 17 bis 30 Jahren (aber auch Familien und ältere Menschen) unterschiedlicher Religionen aus aller Welt, die dort einem festgelegten Programm folgen. Die Gemeinschaft hat keine Angestellten und ist deshalb auf die Mithilfe aller Besucher (im Sommer bis zu 6000 pro Woche) angewiesen. Damit das funktionieren kann, gibt es eine kleine Gruppe von Jugendlichen, die in Taizé längerfristig tatkräftige Unterstützung leistet. Zu dieser Gruppe habe auch ich für ein Jahr gehört. Ich möchte hier meine Erfahrungen teilen.
Wenn Du erstmal allgmeiner etwas über Taizé erfahren möchtest, schau doch mal auf Wikipedia: Communauté (Gemeinschaft) von Taizé oder auf die Internetseite der Communauté: www.taize.fr (auch auf Deutsch).
Die Brüder bieten jungen Erwachsenen die Möglichkeit, ein längere Zeit in Taizé zu verbringen. Nicht bloß, um einen Dienst zu absolvieren (das sollte man gleich wieder vergessen), sondern vielmehr „um von zu Hause Abstand zu gewinnen und über das eigene Leben nachzudenken“.
Damit junge Erwachsene, die ein Jahr in Taizé verbracht haben, zu Hause nicht zu einem weiteren Jahr Zivildienst herangezogen werden, organisiert die Communauté die Anerkennung des Aufenthalts als „Anderen Dienst im Ausland“.
Der „Anderer Dienst im Ausland“ dauert 2 Monate länger als der Zivildienst, muss unentgeltlich geleistet werden und als Projekt von einer Einrichtung in Deutschland getragen werden, die sich um die Abwicklung mit dem Zivildienstamt kümmert.
Der Projektträger für Taizé ist das Pfarramt der Evangelischen Landeskirche in Württemberg (Projektbeschreibung).
Die Besonderheit in Taizé besteht darin, dass man nicht einfach nur seinen Dienst leistet. Vielmehr begiebt man sich auf eine Reise nach dem Ich. Die Teilnahme am Programm, insbesondere den dreimal täglichen Gebeten, führen einen auf einen Weg der Persönlichkeitsentwicklung.
Man arbeitet in Taizé mit kleinen Gruppen, die aus Jugendlichen aller Konfessionen und Nationalitäten besteht. Dabei gilt es Sprachhürden zu überwinden wie auch ein Einfühlungsvermögen zu entwickeln, um die Zusammenarbeit überhaupt möglich zu machen. Darüber hinaus wechseln die Besucher wöchentlich. Es ist eine sozial anstrengende Aufgabe, sich jede Woche auf neue Menschen ein zu lassen, von denen man weiß, dass sie sich in einer Woche wieder verabschieden. Dabei sind diese Besucher meist sehr interessiert für das Leben in Taizé und stellen viele persönliche Fragen.
Ein weiteres Element des Aufenthaltes ist die Gemeinschaft der Permanents (der Längerbleibenden). Hier lebt man sehr Nahe mit anderen jungen Erwachsenen zusammen (natürlich verschiedener Herkunft) und stößt auch hier auf Konflikte aller Art.
Diese drei Elemente machen den Dienst, vielmehr das Leben in Taizé aus: die eigene Entwicklung der Persönlichkeit, das Interagieren mit den Besuchern und das Zusammenleben mit den anderen Permanents.
Als ich mir Gedanken über die Zeit nach dem Abitur gemacht habe, wusste ich, dass ich gerne ins Ausland wollte - weg von zu Hause. Doch was machen mit dem Zivildienst, der an stand? Ich habe mich ausführlich im Internet über die Möglichkeiten informiert, den Zivildienst im Ausland zu leisten. Dabei bin ich auf einige Organisationen gestoßen, die teilweise hohe finanzielle Beteiligungen forderten für eine häufig körperlich und geistig äußerst anstrengende Arbeit. Ich habe weiter gesucht, bis ich schließlich eine Liste von Trägerschaften [1] gefunden habe, die Andere Dienste im Ausland anbieten. Dort habe ich unter anderen auch Taizé finden können.
[1] ⇓Liste von Trägerschaften von 2007 PDF 1.2MB
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